Shirley Schley Keine Kommentare

Rückblick auf das 2. Gaia-X Summit 2021 am 18. und 19. November 2021

“We are here to stay”. Dieser fast schon trotzig wirkende Satz zog sich durch das gesamte Event. Kein Wunder. Kritische Stimmen in der Presse und von Unternehmen gegenüber Gaia-X mehren sich. Viele sehen das Projekt bereits als gescheitert an. So kündigte der französische Cloudprovider Scaleway, eines der Gründungsmitglieder von Gaia-X, öffentlichkeitswirksam kurz vor Beginn des Summits seinen Ausstieg aus Gaia-X an. Es fiel darüber hinaus auf, dass von den Gründungsmitgliedern nur zwei – DE-CIX und die Telekom vertreten durch ihre “Open Telekom Cloud” – als Sponsoren des Events auftraten. Stattdessen unterstützten andere bekannte und weniger bekannte Unternehmen wir AWS, Microsoft, Google, Alibaba Cloud und Venture Leap als Sponsoren das Summit.

Herkulesaufgabe für Gaia-X CEO Francesco Bonfiglio

Liest man Artikel über Gaia-X, scheinen dem im März 2021 angetretene CEO Francesco Bonfiglio die Fäden aus den Händen zu gleiten. Inzwischen beteiligen sich über 300 Mitglieder aus 25 Ländern daran, die Standards von Gaia-X zu definieren. Das sind eine Menge Köche. Jeder hat eigene Vorstellungen davon, wie eine vertrauenswürdige, sichere und transparente Dateninfrastruktur beschaffen sein soll, damit sie für den Austausch und die Verarbeitung von Daten genutzt werden kann. Für Chefkoch Bonfiglio wird es immer schwieriger die Köche so zu orchestrieren, dass das Menü am Ende allen schmeckt.

Ein weiterer öffentlicher Kritikpunkt ist, dass Hyperscaler wie AWS, Google, Microsoft und Alibaba Mitglieder in Gaia-X sind. Schließlich wurde Gaia-X unter anderem deshalb gegründet, um Standards mit europäischen Werten zu etablieren und um unabhängig von den großen amerikanischen und chinesischen Cloud-Anbietern zu sein.

Während des Summits betonten sowohl Bonfiglio als auch andere Referenten, dass jedes Unternehmen willkommen sei. Jedes Unternehmen – ob Hyperscaler oder kleine Softwarebude -, das sich zu den Werten von Gaia-X bekennt und diese umsetzt, ist ein wichtiger Baustein im Sinne von Gaia-X. Allerdings müsse jedem Teilnehmer an Gaia-X klar sein, dass diese keine Möglichkeit hätten, die europäischen Werte hinsichtlich Datensouveränität und Transparenz aufzuweichen.

Europäische Werte bezüglich Datensouveränität werden global

Die Referenten machten deutlich, dass es in Zeiten von Globalisierung und weltweit vernetzter Unternehmen und Organisationen falsch sei davon auszugehen, dass Gaia-X nur exklusiv für Europa ist, beziehungsweise entwickelt wird. Vielmehr noch findet Gaia-X auch außerhalb von Europa immer mehr Anhänger. So werden in Südkorea, Japan, China und Südamerika Gaia-X Hubs gegründet. Gaia-X wird eine globale Initiative.

Warum Gaia-X so wichtig ist

Dass Daten das neue Gold sind, ist allen Beteiligten klar. Entscheidend ist: Um den Datenschatz zu heben, müssen Daten geteilt werden. Aktuell hat jedoch jedes (europäische) Land und fast jede Branche ihre eigenen Standards definiert. Das sorgt für Unsicherheit. Was alle Beteiligten benötigen, sind einheitliche Regeln, um auf Daten basierende Innovationen datenschutzkonform umzusetzen. Nur wenn die Datenhoheit aufgrund eines definierten selbstbestimmten Regelwerks gesichert ist, können und werden Daten über Unternehmensgrenzen hinweg geteilt.

Dass viele Unternehmen auf durch Gaia-X definierte Standards warten, zeigt die Studie “Gaia-X – Datensouveränität dank europäischer Werte” von IONOS und techconsult. Die Studie zeigt, dass sich 81% der befragten Unternehmen vorstellen können, Gaia-X zu nutzen.

Catena-X: Die Automobilbranche zeigt, dass Gaia-X funktionieren kann

Während Bonfiglio und das Board während des Summits immer wieder betonten, dass man im Zeitplan sei, sahen das andere Beteiligte anders. Immer wieder würden Meilensteine nicht erreicht und Deadlines gerissen.

Die Automobilbranche unterstützt das Prinzip von gemeinsam genutzten Datenräumen in einem großen Datenökosystem. Allerdings wollte und will Europas wichtigste Industrie nicht darauf warten, bis Gaia-X die Standards für den Datenaustausch definiert hat. Dementsprechend präsentierte Oliver Ganser von BMW und CEO von Catena-X auf dem Summit den Business Case “Catena-X” mit den Worten “We are Gaia-X ready!”.

Catena-X ist eine Allianz von aktuell 62 Mitgliedern der automobilen Wertschöpfungskette. Ziel sei es, durch Kollaborationen respektive Datenaustausch Innovationen zu fördern. Ganser zeigte in seinem Anwendungsfall, wie eine “Kreislaufwirtschaft” durch Transparenz und Datenaustausch über die Unternehmensgrenzen hinweg funktionieren könne.

Die Wirtschaft und der öffentliche Sektor brauchen Gaia-X

Ein Netzwerk wie Catena-X kann jedoch nur funktionieren, wenn sich alle Beteiligten an die vorgegebenen Regeln halten. Die Teilnehmer des Netzwerkes müssen sicher sein können, dass sie die Souveränität über ihre Daten haben. Wenn die Teilnehmer jedoch die Gefahr sehen, dass Cloud-Anbieter aufgrund rechtlicher Vorgaben ihres Landes Daten ihrer Kunden ihren Regierungen zur Verfügung stellen können, wird es keine gemeinsame Datennutzung in der Cloud geben. Viele ökologische und ökonomische Potentiale würden nicht gehoben werden.

Gleiches gilt für Behörden. Nur wenn die Daten und der Datenaustausch innerhalb der Datenräume sicher und Standards definiert sind, kann auch der öffentliche Sektor datenschutzkonform digitalisiert werden.

Auch die Politik fordert Ergebnisse

Während des Summits äußerten sich verschiedene Vertreter der europäischen Politik. Peter Altmeier hob hervor, dass seit 2019, der Gründung von Gaia-X, vieles erreicht worden sei. Datensouveränität sei für Europa von großer strategischer Bedeutung. Die Erwartungen an Gaia-X sind hoch. Primäre Aufgabe sei es, Ergebnisse zu liefern. “Es ist von entscheidender Bedeutung, dass die ersten Gaia-X-Compliance-Dienste sehr bald verfügbar sind.” Deutschland unterstützt Gaia-X mit rund 500 Millionen Euro.

Werkzeuge, um die Implementierung von Gaia-X zu beschleunigen.

Sind die Standards für Infrastruktur, Plattformen und Services definiert, stehen KMUs und Behörden vor der Herausforderung, ihre Daten, Schnittstellen und so weiter an die Vorgaben von Gaia-X anzupassen bzw. neue Datenservices “Gaia-X compliant” aufzusetzen.

Hierfür entwickelt Venture Leap, einer der Platin-Sponsoren des Gaia-X Summits bereits “Gaia-X ready” Module. Auf ihrer Plattform LEAP.one erstellt Venture Leap heute schon SaaS- und Plattform-Lösungen, die vom ersten Tag an DSGVO-konform sind. Möglich wird dies durch standardisierte Module für Anwendungen, die in den meisten Projekten eingesetzt werden. Kunden von Venture Leap profitieren davon, dass ihre digitalen Geschäftsmodelle effizienter und durch die Standardisierung sicherer umgesetzt werden.

Dr. Daniel Werner, CEO bei Venture Leap ergänzt: “‘Gaia-X will stay.’ Wir bei Venture Leap gehen davon aus, dass Gaia-X kommen wird. Wann können wir nicht sagen. Aber: Die Regeln und Standards, die Gaia-X definieren wird, werden entscheidend für die Zukunft des datengetriebenen Wirtschaftsstandorts Europa sein. Mit unserer Plattform LEAP.one wollen wir die Digitalisierung und den datenschutzkonformen Datenaustausch beschleunigen. Unsere “Gaia-X ready” Module werden für alle, die Gaia-X konform arbeiten wollen, Barrieren abbauen. Da wir nicht alle Unternehmen und Organisationen alleine betreuen können, werden wir LEAP.one für andere interessierte Entwickler voraussichtlich ab Q2 zur Verfügung stellen.”

Weiterführende Links:

https://gaia-x.eu/

https://catena-x.net/de/

https://venture-leap.com/de/2021/11/08/gaia-x-ready-module-erleichtern-den-aufbau-und-betrieb-von-digitalen-plattformen-und-saas/

https://www.youtube.com/channel/UCB5WMc2FfrxKzfd7XIODoMw