27.05.2015 | 09:00 Uhr

Gastbeitrag: Der brasilianische IT-Sicherheitssektor – Chancen für deutsche Mittelständler?


Gemäß einer auf der Fachmesse it-sa 2014 vorgestellten Analyse des Unternehmens Symantec hat Brasilien im Jahr 2013 hinsichtlich der Häufigkeit von Cyberattacken bereits den weltweit achten Platz eingenommen. Nach Angaben des brasilianischen CERT haben sich die Vorfälle 2014 nahezu verdreifacht gegenüber dem Vorjahr. Ausgehend von diesem Sachverhalt wurden auf der Messe eingehend die Notwendigkeiten einerseits einer verstärkten digitalen Bildung der Bevölkerung zu Fragen der IT-Sicherheit und andererseits weitreichender Sicherheitsmaßnahmen des privaten wie öffentlichen Sektors diskutiert. Die Themenbereiche Internet of Things sowie Big Data und Mobility Payment werden in diesem Zusammenhang als besonders relevant erachtet.

Auch gemäß Informationen von Germany Trade & Invest stellt der steigende Bedarf an Daten- und Netzwerksicherheit eine Expansionsachse der IT-Branche dar. Microsoft hat aus diesem Grund eine Niederlassung mit dem Schwerpunkt Digital Crimes in Brasilien errichtet. Neben Viren, Phishing, Social Engineering und Industriespionage steht besonders die Migration von Desktop Computern auf mobile Geräte im Mittelpunkt, unter anderem für Finanztransaktionen. 

Brasilianische Unternehmen und Banken geben keine detaillierten Informationen über erfolgte Attacken bzw. entstandene Kosten durch die Cyberkriminalität heraus; für eine Einschätzung des (enormen) Bedarfs ist man hier auf Aussagen von Systemintegratoren und anderen Fachexperten angewiesen. Es kursieren vereinzelt beeindruckende Zahlen. So wird für das erste Trimester 2011 vom Igarape Institut angegeben, dass allein für die Banken in Brasilien Kosten in Höhe von 380 Millionen US$ durch Betrug entstanden sind.

Zukünftige Tendenzen

Der Bereich Speicherung und Verwaltung von Big Data stellt in brasilianischen Unternehmen gemäß Informationen der Germany Trade & Invest noch ein relativ neues Feld dar. Seit 2014 hat dieses Thema jedoch stetig an Bedeutung gewonnen und wird verstärkt als Managementinstrument in den Blick genommen. Der Jahresumsatz wird 2015 bei rund 788 Mio. US$ prognostiziert und soll bis 2017 auf rund 1 Mrd. US$ steigen. Hauptnutzer ist der Finanz- und Telekommunikationssektor, der entweder über Hardwareinvestitionen die Verarbeitungskapazität und Geschwindigkeit  erhöhen wird oder aber anhand von Software Daten effizienter zu analysieren versucht. Auch Regierung und Handel werden von der Germany Trade & Invest als potenzielle Interessenten geführt.

Ein weiteres Zukunftsthema, das in Brasilien ähnlich wie in Deutschland bereits viel diskutiert wird, ist das Internet of Things. Laut Experten ist mit keinen großen Entwicklungssprüngen zu rechnen, aber bestehende Anwendungen sollen verbessert werden. Die Hardwarebasis in Brasilien dürfte bis Ende 2015 auf 130 Mio. verbundene Geräte ansteigen, das entspricht etwa der Hälfte des lateinamerikanischen IoT-Marktes. Der Datenspeicherspezialist EMC setzt hierbei einen Schwerpunkt auf die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro und Big Data im Öl- und Gassektor. IBM hat ein Big-Data-Zentrum für Banken eröffnet (vgl. Germany Trade & Invest 06.02.2015).

Für deutsche kleine und mittelständische Unternehmen, die sich vor Ort einen detaillierten Einblick in den wachsenden brasilianischen IT-Sicherheitsmarkt verschaffen wollen, ist die Teilnahme an einer Markterkundungsreise der Exportinitiative Zivile Sicherheitstechnologien und -dienstleistungen des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) nach São Paulo und Rio de Janeiro vom 31.08. bis 04.09.2015 möglich. Weitere Informationen finden Sie hier.

Die Markterkundungsreise findet im Rahmen des Markterschließungsprogramms des BMWi statt. Eine Übersicht zu weiteren Projekten des BMWi-Markterschließungsprogramms für KMU können Sie hier abrufen.

Bei Fragen steht Ihnen Dania Schüürmann als Ansprechpartnerin zur Verfügung.